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Einleitungsreferat auf dem Netzwerktreffen am 16.10.2008 im Stadtteilzentrum "Bassena" in Wien

Franz Nahrada: Reflexionen zur Neuen Arbeit

Einleitungsreferat auf dem Netzwerktreffen am 16.10.2008 im Stadtteilzentrum "Bassena" in Wien

Was heißt „Neue Arbeit“? – eine kritische Auseinandersetzung mit Frithjof Bergmann

1. Ich möchte heute versuchen, eine Gratwanderung zu machen. Eine Gratwanderung insofern, als ich das Konzept von Frithjof Bergmann, das sich "Neue Arbeit Neue Kultur" nennt, nicht nur für grundsätzlich sinnvoll halte, sondern auch selbst seit meiner ersten Begegnung mit Frithjof im Jahr 2004 immer wieder versucht habe, es unter die Leute zu bringen und zu realisieren. Auf der anderen Seite steht die Erfahrung, dass sich diese Konzept nicht  durchgesetzt hat .... Wir haben zwei große Anläufe in Wien unternommen, mit Diskussionsveranstaltungen und Workshops, an denen Frithjof immer wieder teilgenommen hat, und es war die Erfahrung dass er auf der einen Seite mit traumwandlerischer Sicherheit einen ganz sensiblen Nerv getroffen hat, und gleichzeitig etwas zum Schwingen und Tanzen gebracht hat. Das große gesellschaftliche Tabuthema, die heilige Kuh der "Beschäftigung", die Arbeitsreligion, mit der auf das Abschmelzen der existenzsichernden Lohnarbeit reagiert wurde, das greift er an, und zwar nicht irgendwie, sondern frontal, gekonnt. Und er zeigt zugleich, dass die Arbeit längst die Seiten gewechselt hat, dass vieles von dem das was wir als Arbeit betrachten längst in die Haushalte gewandert ist und uns gerade durch die Produkte der Industrie ständig mehr Spielraum verfügbar wird, ohne dass uns das bewusst wird und ohne dass es wirklich fruchtbar gemacht werden könnte.

2. Damit füllt er Säle, damit erntet er Begeisterung. Auch hier in Wien. Hunderte Menschen sind durch dieses Begeisterungserlebnis durchgegangen, haben zunächst auch herzlich mitgelacht und mitgedacht beim Nachweis, dass in Wirklichkeit schon längst niemand mehr an die Beschäftigung und die Arbeitsplätze glaubt, die angeblich ständig durch jede Menge Entlassungen gesichert werden müssen. Und viel Zustimmung erntet Frithjof wenn er dagegen hält: Arbeitslosigkeit ist kein temporäres Phänomen, sondern eine universelle Tendenz. Die Lohnabeit ist am Ende, weil die Maschinen viele Dinge effizienter und vor allem billiger tun können - und zwar auch im berühmten Dienstleistungssektor.  Die mikroelektronische Revolution, die Automatisierung der Fabriken und der Banken, der globale Produktionskampf, das alles hat die Kalkulation der normalen Menschen auf ein Einkommen durch Arbeit auf den Kopf gestellt. Es entspricht offensichtlich voll und ganz der persönlichen Erfahrung vieler Menschen, was Frithjof im Unterschied zu den verlogenen Predigten der sogenannten Experten über Arbeit und Beschäftigung zu sagen hat: hier wird sich von selbst nichts mehr verbessern, hier kann es nur weiter bergab gehen.

3. Und so ist es auch: die unbarmherzigen Rituale mit denen Arbeitslose traktiert werden, um "vermittelbar" zu werden gleichen immer mehr religiösen Veranstaltungen, in denen irrationaler Glaube und grundlose Hoffnung durch Bewerbungsgespräche und Selbstbewusstseinstrainings beschworen werden, während gleichzeitig die allgemeinen Zukunftsbilder immer düsterer werden. Man soll sich selbst und seine Motivation finden, ohne dass man im Arbeitsprozess selbst noch eine bestimmende Rolle zu spielen oder auch nur ein klares Lebensbild oder Angebot vor Augen hätte. Freiheit als bloße Auswahl zwischen fremdbestimmten Alternativen - das ist keine Freiheit. Die Erlebnisse von Konkurrenz und Mobbing am Arbeitsplatz machen krank, kränken oft viel mehr als die Monotonie und das Tempo der Arbeit selbst. Jederzeit auswechselbar zu sein, eine lästige Größe in der betriebswirtschaftlichen Kalkulation zu sein, sich anonymen und undurchschaubaren Prozessen anpassen und unterordnen zu müssen und dafür auch noch miserabel bezahlt zu werden; die "milde Krankheit Arbeit" ist genauso unerträglich wie die erzwungene Stillegung von Können und Aktivität auf der anderen Seite. Und es ist nicht abzusehen, wie beides durch ein wenig Umverteilung besser werden sollte, außer dass der Streit und die Sorge um Geld noch weiter angefacht wird.

4. Aber Bergmann verfällt nicht in die übliche Larmoyanz gewerkschaftlicher Vertretungsrhetorik von den geknechteten Lohnabhängigen oder sozialarbeiterischer Beteuerung, dass es eben nichts anderes gibt. Er zeigt dass zu diesem prekären Benutzungsverhältnis Verhältnis zwei Seiten gehören, dass die Anpassungsleistung eine fundamental freiwillige ist, die mit nichts besser beschrieben werden kann als mit Hegels Redewendung von der "Armut der Begierde": ein Wille, der sich seinen Inhalt von außen vorgeben lässt, weil er gar nicht über die Mittel verfügt sich zu realisieren. In einprägsamen Bildern beschreibt Frithjof diese allgemeine Armut, wie in dem vom Erstarren der kanadischen Indianer, die auf das Postflugzeug mit den Sozialversicherungsschecks warten, zu "Stümpfen im Schnee". Das Kapitel über die Armut der Begierde mündet in dem Satz: "Wenn überhaupt irgendetwas eine Flamme in ihnen entzünden kann, dann ist es ihre verschwommene Wahrnehmung, dass es irgendwo doch noch etwas gibt das sie tatsächlich wollen."

5. Man spürt: diese Bilder sind nicht ganz von der Hand zu weisen, die fundamentale Passivität und das Desinteresse sind tatsächlich anerzogene Grundkonstanten einer industriellen Gesellschaft, die auch in ihrer sozialistischen Variante Kreativität und Selbstverwirklichung als etwas behandelte, das nur wenigen vorbehalten ist, störend und gefährlich ist. Frithjof Bergmanns epochaler Vorschlag ist, dass die stillgelegte Arbeitskraft radikal aufhören muss sich als einerseits als schuldig und minderwertig, andererseits als Betreuungs- und Versorgungsfall zu betrachten. Sie muss sich bei Strafe des Unterganges auf die Hinterbeine stellen, selbst etwas unternehmen und die eigenen Zeit- und Wissenspotentiale autonom aktivieren - und kann dies auch angesichts der zunehmend intellgenter, kleiner und verfügbarer werdenden Produktionsmittel. Aus seinen Schriften und Vorträgen kommt uns eine Verheissung von Freiheit entgegen, die wir in der Realität längst verloren oder nie gehabt haben - und die doch angeblich unser höchstes Gut sein soll. Wir ahnen freilich schon lange, dass der Übergang von der sozialstaatlichen Betreuung zum Terror gegen die Überflüssigen und Unnützen fließend ist und unvermeidlich wieder Schreie laut werden, das Arbeitsvolk irgendwann in staatlichen Dienst zu nehmen und nicht einfach endlos durchzufüttern. Hier zuvorzukommen und in einem "Tanz von Ying und Yang" die Potentiale menschlicher Emanzipation zu suchen, die in der (Wieder)Erfindung des verschütteten Selbst auf der subjektiven, im Strukturwandel der Technologie auf der objektiven Seite liegen, das ist eine wichtige und richtige Idee und ein bleibendes Verdienst von Frithjof.

6. Und doch liegt etwas seltsam Abstraktes in den Vorschlägen der Neuen Arbeit, ganz gerade so als ob sie sich selbst noch der Gesellschaft als alternatives Betreuungs- und Beschäftigungsprogram für Arbeitslose anbieten würde. Frithjofs Stellung zu seinen eigenen Vorschlägen, was denn die Arbeitslosen tun sollen, ist zumindest ambivalent: auf der einen Seite dienen rote Elektroautos, einfache Kühlschränke und Handies als Illustrationsbeispiele: das könntet Ihr selber tun und produzieren. Auf der anderen Seite sind sie ernst gemeint, sollen wirklich umgesetzt werden, in Unternehmen der neuen Arbeit - doch motivieren und inspirieren diese Beispiele nicht allzuviele, sind zu sehr durchschaubar als Abziehbilder der ohnehin schon bestehenden Produkteflut. Dieser aufgesetzte Charakter ist auch den anderen konkreten Vorschlägen Frithjofs zueigen: Für uns Europäer muten vertikale Gärten seltsam an und wir haben oft gar nicht die Raumstruktur um so etwas zu realisieren. Und das Dorf, das Frithjof vorschlägt, mit dem aufgeblasenen Betondom als Werkstätten- und Kulturzentrum, das verlagern wir im Geist und in der Realität nach Afrika. Es geht uns eigentlich nichts an, es ist ja auch nicht unser Dorf. (Wir wollens auch nicht so genau wissen, das weiß auch Frithjof. Alles was wir wirklich wissen müssen ist dass dort der Erlöser geboren wird)

7. Bleibt nur die Hoffnung auf den alleinseligmachenden Erlöser, nein das ist nicht Jesus, sondern - der Fabrikator. Die Universalmaschine mit der es dem Individuum möglich ist, alleine und ohne gesellschaftliche Vermittlung Reichtum an Gütern zu produzieren, die dann möglicherweise noch dazu langlebig, haltbar, nachhaltig, sinnvoll, aufregend, bunt und individuell sein sollen. Nicht dass es nicht hunderte Beispiele gibt, dass sich viele Segmente gesellschaftlicher Produktion in Richtung dezentraler Automation bewegen, ist das Kritikable hier - sondern dass diese Beispiele als rein plakative Belege für das Kommen einer Erlösungsmaschine genommen werden, der uns jeden Gedanken über das aufwändige Gestalten von Produkt- und Stoffketten erspart und gesellschaftliche Produktion in die unmittelbare individuelle Disposition stellt. Wer dann entdeckt dass der Einsatz von Fabrikatoren auf wenige und möglicherweise problematische Materialien beschränkt ist, dass sie langsam und immer noch teuer sind, der reagiert dann mit Enttäuschung.

8. Ich habe viele Gläubige erlebt in der Bewegung für Neue Arbeit - Menschen die sich sehr begeistern ließen von der Aussicht auf Erlösung aus dem Jammertal der Arbeit, die sofort missionarischen Eifer entwickelten und selber in Arbeitsgruppen organisierten etc. Ich habe erlebt dass diese Menschen bitter enttäuscht waren, dass sich die Vorschläge der neuen Arbeit als pseudopraktisch und ihre Heilserwartungen als zu jenseitig erwiesen. Einige haben der Neuen Arbeit die Treue gehalten, weil sie den Mythos aus irgendeinem Grund als nützlich empfanden - als Zutat in ihrer Arbeit als Arbeitslosenbetreuer etwa. Die meisten gehen der Neuen Arbeit aber verloren, weil sie das Gefühl kriegen dass sie ihnen nicht hilft bei den Problemen der Lebensbewältigung. Viele davon reagieren heute mit Feindschaft und Verbitterung, aber das spielt noch keine Rolle denn neues Publikum strömt ja immer noch in die Hörsäle.

9. In guten Momenten ist Frithjof das alles klar, das weiß ich aus persönlichen Gesprächen. Und ich weiß um die Tragik und kann sie nachvollziehen: dass einerseits mit Händen zu greifen ist, dass ein immer größerer Entfremdungsprozess zwischen Wirtschaft und Arbeit passiert, dass die Arbeit als zentrales Element der menschlichen Kulturbildung eine immer traurigere Rolle spielt, dass die im einzelnen "durchrationalisierte" und effiziente Produktion in ihrem Zusammenhang zunehmend irrational und ineffektiv wird - auch und gerade in den sogenannten Dienstleistungssektoren. Dass die Chancen auf den Erwerb von Wissen, Kompetenz und Können sich andererseits mit den neuen Technologien der Information und Kommunikation verhundertfachen (gegentendenz siehe unten) . Dass eine Selbstorganisation der Arbeit also nicht nur ein Gebot der Stunde, sondern auch eine reale Möglichkeit darstellt. Andererseits sich aber Passivität und Depression sehr weit vorgefressen haben in die Massen, inklusive Tribalisierung, Brutalisierung und Realitätsflucht, auch und gerade durch Schnäppchenjagden in der Konsumwelt und virtuelle Heldentaten in Compuerspielen . "Sie hören mir nur zu wenn ich konkrete und appetitmachende Beispiele bringe" sagt Frithjof und er hat in gewissem Sinne auch recht. Viele können ihm aber gerade wegen der immer wiederkehrenden Topoi auch schon gar nicht mehr zuhören.

10. Dabei wäre die Welt voll mit Beispielen von Versuchen sich in das postindustrielle Zeitalter vorzutasten. Aber diese Beispiele widersprechen in vielem der Botschaft von der sich wie ein Wirbelwind durchsetzenden, effizienten, konkurrenzfähigen, mühelosen Do it yourself-Produktion, das Frithjof mit seinen Klodeckeln auf Knopfdruck aus dem Produktionscafe erzeugt, die der Sehnsucht nach der reinen Selbstverwirklichung paßgenau entgegenkommt. Sie sind vielmehr verbunden mit großem persönlichen Einsatz, mit der Bereitschaft zu lernen und sich zu verändern, Kompetenz zu erwerben - auch und durchaus im Sinn der traditionellen Meisterschaft im Handwerk. Sie entstehen in Nischen, die oft nicht verallgemeinerbar sind, wie Ökodörfern oder anderen kreativen Millieus. Sie benötigen Netzwerke, die aufwändig zu organisieren sind und jeweils im Einzelfall ganz verschieden funktionieren. Solche Netzwerke der professionellen Amateure sind geboren im beständigen Kampf mit Industrien, die einerseits gerne die Gratisarbeit von afficionados als Marketinginstrument verwenden, andererseits deren Abhängigkeit von den eigenen Produkten und deren Zyklen nicht gerne in Frage stellen lassen. Sie sind nicht eindeutig zuordenbar und oft Welten auseinander. Im System wird immer mehr Arbeitskraft hinausgeschmissen und dann als "Verselbständigte" wieder hereingeholt - weils billiger ist. Digitale Boheme und Cultural Industries bevölkern als Masse an auftragsheischenden Kleinstfirmen gentrifizierte Quartiere. Sie haben oberflächlich mit den Armen nichts zu tun und auch kein Interesse an ihnen, obwohl es ihnen so gut nicht geht. All dies ist eher eine "Multitude" als eine einheitliche Bewegung, und dies müsste mit aller Ehrlichkeit zugegeben werden. Neue Arbeit wäre dann eher eine Vermittlungsarbeit zwischen diesen Welten als ein weiterer monolithischer Block.

Mit diesen 10 Thesen wäre eine erste Annäherung und zugleich notwendige Kritik an Frithjof Bergmann geleistet. Die Schlussfolgerung heißt: lest ihn, hört ihn, aber glaubt nicht dass er auf alle Fragen die er aufwirft auch eine Antwort parat hat. Die Antworten liegen weitgehend in Eurer eigenen Fähigkeit des Erkennens und Entdeckens und Eurer eigenen Phantasie.

Im Anhang noch fünf Thesen zur Diskussion.

ANHANG

11. Beispiele wie die freie Softwarebewegung, Wikipedia, OpenDesign, OpenSourceEcology etc. zeigen, dass sich  reale gesellschaftliche Macht durch Addition und Multiplikation der Kompetenzen der unmittelbaren Produzenten herauszubilden vermag. Dass sich die Eigenarbeit in unbeschränkt großen Netzwerken des Informationsaustausches zu vernetzen imstande ist, ist die wichtigste Grundbedingung ihrer "Konkurrenzfähigkeit" und nicht eine "natürliche Überlegenheit der Kleinproduktion". Das Aufrechnen durchrationalisierter Fabriken mit perfekter Logistik gegen Werkstätten ohne Management-Overhead ist dabei ziemlich witzlos: beide Seiten können vermutete Produktivitäts- und Effizienzvorteile für sich reklamieren. Die ernstzunehmendsten Erfolge erwachsen dort, wo Design und Denkarbeit global vergesellschaftet werden. Sträflicher Optimismus wäre es also, sich beim Entwurf "neuer Arbeit" auf die isolierte Eigenarbeit zu verlassen. Dass die Neue Arbeit aber gerade keine Theorie der Zusammen - Arbeit und der gesellschaftlichen Organisation von Eigenarbeit vorlegt, sondern die Dualität von "Betrieben" und "Unternehmen" auf der einen Seite und monadischen Individuen auf der anderen Seite fortschleppt, macht ihren größten Mangel aus. Komplexe Netzstrukturen und Kommunikationsflüsse die gerade Verlässlichkeit und Autonomie fördern können, werden nicht thematisiert.

12. Die Emphase der Arbeit - von Frithjof selbst immer wieder zurückgenommen in die Dualität von Arbeit und Kultur, aber eben einer Kultur die sich im wesentlichen als eine Kultur der neuen Arbeit versteht - bewirkt eine Abstraktheit im Lebensentwurf auch noch der Neuen Arbeit. "Anders Leben" hat einen Inhalt und der liegt zwar nicht komplett "neben" der Arbeit, aber auch nicht "in" der Arbeit. Eine Perspektive die der Arbeit per se einen Sinn zuspricht muß fehlgehen: wenn Frithjof sagt:  "Es ist möglich, die Arbeit so zu verändern dass sie beides erreichen kann - sowohl eine unvergleichlich produktivere und zugleich unvergleichlich menschlichere Wirtschaft als auch der Berggipfel einer wahrhaften Spiritualität" und den Inhalt dieser Spiritualität darin bestimmt dieses eine Leben so intensiv wie möglich zu leben (NANK 414 und 416), dann verzichtet er bewusst darauf dieses Leben  jenseits der Arbeit zu entdecken und material zu beschreiben. Emphatisch ließe sich dagegen halten, dass Arbeit immer das Reich des Notwendigen und nicht das Reich der Freiheit ist und dass der wahrhafte Sinn der Arbeit allemal darin besteht, ihre eigene Notwendigkeit zu verringern - außer sie hat einen meditativen oder kommunikativen Charakter (ist dann aber auch nicht Arbeit im engeren Sinne). Die neue Arbeit leidet an diesem Punkt an einer Armut der kulturellen Utopie, der Formen die die Feier des Lebens selbst zum Inhalt haben und aus der Arbeit allemal erst ihren Sinn bekommt. Sonst würde sie sich vielleicht mehr an der Armseligkeit der Ziele stoßen, die sie in Aussicht stellt. Ein Beispiel ist die längst ins breite Bewusstsein getretene Absurdität des Automobils: ein neues Auto zu produzieren soll alles sein was wir wirklich wirklich wollen? Gibt es nicht viel reichere und spannendere und vielfältigere Formen der Mobilität? Und die Reihe läßt sich endlos fortsetzen. Nehmen wir das Wohnen: unser gesamtes Leben ist in Schachteln eingepackt, die unsere Passivität voraussetzen. Raum ist die reale Gesellschaftlichkeit und muss vollkommen neu geschaffen und gestaltet werden. Dabei spielen auch die Ästhetik, die Wiederannäherung an die Natur und ökologische Gesichtspunkte eine Rolle - auch sie werden kaum thematisiert.

13. Doch vor all dem steht die reale Möglichkeit für eine große Anzahl von Menschen, tatsächlich dem von Frithjof beschriebenen ungeheuren Zwang der ökonomischen Versklavung in ihren vielfältigen Formen zu entfliehen. Die Frage ist ganz banal zu formulieren: wo kriege ich meine Brötchen her? Die Neue Arbeit hat bis jetzt keine überzeugende Antwort auf diese Frage vorlegen können, außer dass es eine Brotbackmaschine gibt, die aber wiederum mit Mehl, Wasser, Strom, Zeit und Aufmerksamkeit gefüttert werden will - die auch nicht jeder aufbringt. Es gilt, als Ausgangspunkt die ärgerliche Grundtatsache zu akzeptieren dass in dieser "Gesellschaft des maximalen Kaufens" alles vom Geld abhängig ist. Ein gesellschaftstheoretisches Konzept, das wesentlich geprägt ist durch Selbst-Organisation und Selbst-Gestaltung, das Subsidiaritäts- und Solidaritätsprinzipien berücksichtigt, und in das sich das Konzept der Neuen Arbeit mit Fragen des Grundeinkommens, regionaler Währungen, regionaler Bildungszentren und vieler anderer Bausteine und Muster einer neuen Gesellschaft synergetisch vermittelt - das ist ein weiteres Manko der neuen Arbeit, (noch) kein wirkliches Thema für sie. Grundeinkommen oder besser Grundauskommen - warum soll das automatisch zur Passivität führen?  Der Schluss ist vollkommen verkehrt: Unglaubliche Chancen der  Aktivierung tun sich auf im Wechselspiel von gewonnenen Zeitpotentialen mit Technologie, Bildung  und Innovation, um die "Gesellschaft des Kaufens" allmählich zurückzudrängen. Hier und gerade hier, hätte ein "Mentoring" anzusetzen, in einer Welt realer Chancen und Mittel.

14. Ohne radikale Gesellschaftstheorie werden wir dabei nicht auskommen. Wir können nicht so tun, als wäre die Wirtschaft in der Lage, das Abschmelzen der Arbeitskraft als zentraler Quelle der Verwertung des Wertes ohne schwerwiegende Deformationen und Dysfunktionalitäten zu überstehen. Frithjof spricht von der "Krise hinter der Krise", und doch wird selten thematisiert was es bedeutet wenn konkurrierende Kapitale in der Investition in physische Produktion keinerlei Wachstumschance mehr sehen. Der Finanz- und Spekulationsberg, der sich in den letzten Jahrzehnten aufgetürmt hat um die Abrechnung gigantischer verfehlter Investitionen hinauszuschieben, ist nur eine Erscheinungsform einer amoklaufenden Wirtschaft. Ene andere ist die mit diesen Investitionen noch immer angeheizte aggressive Produktion selbst, die Ressourcen jenseits unserer Vorstellungskraft freisetzt, um völlig überflüssige Gegensätze und Inkompatibilitäten in die Welt zu setzen, die Kunden binden und in Abhängigkeiten von Produktzyklen bringen sollen. Dazu gehört auch die planmäßige Unbrauchbarmachung und Entwertung dessen was noch gestern als der letzte Schrei angepriesen wurde. Oder die verbissene Arbeit an der Bezollung sogenannten geistigen Eigentums,um von der Landwirtschaft über die industrielle Produktion bis hin zur Kultur jede andere Tätigkeit, jeden Gebrauch von natürlichem und gesellschaftlichem Reichtum, schlicht und einfach verbieten zu können. Es verbietet sich von selbst, hier frisch und fröhlich zur Selbstentfaltung durch Arbeit aufzufordern, ohne nicht auch ständig die permanente latente und manifeste Bedrohung zu sehen, die dieser entgegensteht. Diese äußert sich nicht nur in Rechtsunsicherheit und juristischer Bedrohung, sondern auch in ganz banalen Fragen der operativen Gestaltung. Bildlich gesprochen steht hinter jedem neuen Schraubengewinde die Festlegung der Eigenarbeit auf vorgestanzte Abläufe. Kein Wunder dass unter diesen Bedingungen nicht nur die Materialien und Vorbedingungen einer wirklich aus sich heraus gestaltenden Arbeit dahinschwinden, sondern auch das Wissen über die Prozesse und Verfahren, die dazu notwendig sind. Diese Schraube wird immer weiter angezogen und Eigentätigkeit, so phantastisch auch die prozessorgesteuerten miniaturisierten Produktionsmittel sein mögen, hängt zunehmend am Tropf einer fremdbestimmenden Industrie. Was den meisten Leuten zumeist nur daran auffällt, was eben heute alles nicht mehr geht. Ganz elementare Grundlagen handwerklicher Souveränität müssen mühsam zurückgewonnen werden, ganze Bereiche von Technik gegen die Industrie neu erfunden werden. Dieser Prozess hat in ernsthafter Form eben erst begonnen, und er liegt ebenfalls unter dem Radar der Neuen Arbeit.

15. Resume: die Neue Arbeit ist ganz und gar unvermittelt, aber sie könnte vielleicht gerade deswegen eine ganz große Rolle als Vermittlungsbewegung spielen. Darüber bin ich mir in seltenen guten Momenten mit Frithjof einig. Aber wie sieht das aus? Das ist die offene Frage, für die ich nur einige Anhaltspunkte zusammentragen konnte.

Wien, am 16. Oktober 2008

Franz Nahrada

KommentareKommentare

  • Matthias Jung
    Matthias Jung 17.10.2008 15:31

    Sehr guter Text, gefällt mir sehr, inbesondere Zustimmung zu den Thesen 12, 13 und 15!
    Liebe Grüße
    Matthias Jung

     
  • Thomas Diener
    Thomas Diener 20.10.2008 10:25

    Lieber Franz

    Danke für deine Thesen, die sich übrigens sehr stark mit meinen eigenen Beobachtungen / Überlegungen decken.

    Ich persönlich kann die Enttäuschung nachvollziehen, habe sie jedoch selbst nicht erlebt, da ich "Neue Arbeit" immer nur als Anregung und nicht als Programm verstanden habe.

    Es ist sicher teilweise auch Frithofs Verantwortung, wenn Menschen voller Begeisterung „in die neue Arbeit einsteigen“ (was immer das – über Disskussionsgruppen hinaus – heissen soll) und sich dann nach einiger Zeit abwenden und das Gefühl haben, sie seien „verführt“ worden. Auf der anderen Seite ist es jedoch auch bequemer und anregender sich als Teil einer weltbewegenden Gruppe zu fühlen, als die kleinen, mühsamen und oft schwierigen Schritte zu machen, die nötig sind, um einen nachhaltigen Beitrag zum persönlichen und globalen Wandel zu leisten. Die Herausforderung in einer sozusagen feindlichen Umwelt, kleine auch wirtschaftlich funktionierende Blasen zu schaffen, kann nicht mit einem global gültigen Baukasten gelöst werden. Es braucht individuelle Kleinarbeit, die natürlich auch sehr befriedigend und beglückend sein kann. Sie ist jedoch erst mal wenig spektakulär. Dafür gibt dabei auch für alle etwas zu tun. Der Job für den weltweit herumreisenden Propheten ist ja schon vergeben ;-)

    Ein Problem der neuen Arbeit entsteht m.E., wenn wir Frithof präskriptiv verstehen (wozu er natürlich beiträgt) statt seine Ideen inspirativ zu nutzen. Die Diskussionen darüber, welche Projekte und Aktivitäten NICHT zur neuen Arbeit gehören und daher abgelehnt oder gar bekämpft werden müssen, sind meist nicht besonders fruchtbar. Natürlich brauchen wir auch eine gute Gesellschaftstheorie. Diese soll uns aber nicht daran hindern auf der Projektebene viele Wege zu gehen und lustvoll bestehende Nischen zu besetzen und neue zu entwickeln.

    Auf der politischen Ebene wäre es natürlich toll, wenn wir uns als möglichst weitgefasste Bewegung auf wenige einsichtig und theoretisch fundierte Forderungen einigen könnten. Gerade im augenblicklichen Wirtschaftsgeschehen gäbe es dazu ja jede Menge Möglichkeiten.

    Thomas

     
  • Franz Nahrada
    Franz Nahrada 20.10.2008 10:51

    Danke Thomas. Ich habe mittlerweile mit Frithjof auch zu diesen Dingen zu korrespondieren begonnen. Im Keimform Blog hatte ich eine sehr deutliche Ergänzung gemacht - und die auch Frithjof persönlich übermittelt:

    Beginn des Zitates:

    " Ich denke dass Frithjof und die Neue Arbeit zu wichtig sind, als dass wir die immer deutlicher werdenden Schwachstellen übertünchen könnten. Viele Leute die ich kenne haben den Schluss gezogen dass sie über ihn nur mehr lästern und sich witzig machen. Mir tut das weh.

    Helmut Leitner hat mich auf weitere Widersprüche aufmerksam gemacht, die ich glatt vergessen hatte. Einer der wichtigsten ist der, dass Frithjof wenig anfangen kann mit der Intensität, mit der ein Muhammad Yunus sich für das soziale Unternehmen als neues Paradigma einsetzt, dabei liegt der Zusammenhang zur Neuen Arbeit auf der Hand: Wenn das Profitmotiv als Sinngeber wegfällt, dann liegt als Existenzgrund von Unternehmen notwendigerweise etwas anderes vor. Oder wie Helmut sagt: “Es fehlt z. B. der Hinweis auf das Konzept der sozialen Unternehmen als Brückenköpfe für ein Wirtschaften, das sinnbezogen und wachstumsideologiefrei sein kann.” Frithjof müsste dieses immense entstehende Vakuum aufgreifen und sich mit Yunus zusammentun, dabei eine wirkliche und umfassende Theorie und Praxis des Mentoring entwickeln.

    Helmut schrieb mir auch: “Es fehlt auch der Hinweis auf die riesigen Bereiche der Gesellschaft, deren Handeln nicht durch ökonomische Rationalität bestimmt ist (etwa das weibliche Handeln in der Familie, das ehrenamtliche Handeln etc.) und in deren Stärkung ein weiterer Schlüssel zur Entwicklung liegt.”

    In dem Sinn ist, wie Annette Schlemm /bei Keimform,FN/ geschrieben hat, mein Artikel ein Beitrag zu einer “Neuen Arbeit Reloaded”, es geht nicht um die persönliche Befindlichkeit von Frithjof, es geht um die wichtige Rolle die er tatsächlich in der Vermittlung der vielen gewachsenen positiven Gegenkräfte spielen könnte. Dazu müsste er aber die Vorstellung aufgeben, selber ein eigenes, supereffizientes, profitables, riesiges, für Investoren attraktives, in allen Erdteilen aktives, mächtiges Unternehmen aufzubauen, die bei ihm in jeder Faser noch mitschwingt.

    Gibs auf, Frithjof, möcht ich ihm sagen, Du bist kein Steve Jobs und kein Bill Gates. Du bist ein Philosoph und als solches vielleicht ebenso wichtig und wirksam. Dies zur weiteren Ergänzung und Klärung."

    Ende des Zitats

    ich weiß das hört sich jetzt hart an, und vielleicht sollte ich einfach milder und toleranter sein. Aber dann würde ich meine Freundschaft zu Frithjof nicht ernst nehmen, und auch meine Augen verschließen davor dass er seine Kräfte unnütz verausgabt.

    Deswegen hab ich ihm gestern auch zusätzlich noch geschrieben:

    "Unglaublich viele Menschen anerkennen Deine bahnbrechende Arbeit, und ich möchte dass Du in die Geschichte eingehst als der, der wirklich Herold und Bringer einen neuen Epoche geworden ist. Wir haben ein unglaubliches Feld zu bearbeiten, wenn wir die Farbe der neuen Arbeit in die überreichlich aufblühenden sozialen Bewegungen tragen. Die Wirtschaftskrise ist unsere große Chance, eine breite Bewusstseinsbildung zu erreichen - wenn wir die richtigen Worte und die richtigen Beispiele finden.

    Darauf sollten wir unsere Energie legen. Wir sind beide zwar noch nicht am Ende unserer physischen Kraft, aber dennoch müssen wir extrem haushalten lernen. Der Geist arbeitet ungebrochen weiter. Lass uns ein geistiges Zentrum bauen, einen Ort wo wir Menschen aus der ganzen Welt zusammenholen. ich denke dass wir einen Appell starten müssen dass so ein Zentrum entsteht."

    Wenn es wirklich geht, dann kommen die Jobs und Gates der Zukunft nämlich zu uns, wir müssen es einfach wagen, sowohl auf der subjektiven als auch auf der objektiven Seite, sowohl was das Mentoring als auch was die neuen Technologien betrifft, ein Dokumentationszentrum aufzubauen.

     
  • Thomas Diener
    Thomas Diener 20.10.2008 11:35

    Lieber Franz, Danke für deine Ergänzungen. Bei meinem Hinweis auf Projekte (und Ideen) die im Moment von der "neuen Arbeit" (oder von Frithjof) abgelehnt werden, habe ich tatsächlich auch an das Konzept von "Social Entrepreneurship" gedacht, das ja auch unter dem Begriff "low-profit-organisation" und "4. sector" durch das Web und die Presse flackert. Ich diskutiere im Moment übrigens gerade mit ein paar Menschen über die Möglichkeit, eine Schule für social entreprenuership"

     
  • Thomas Diener
    Thomas Diener 20.10.2008 11:36

    in der Slovakei zu gründen.

     
  • Denise Dammert
    Denise Dammert 20.10.2008 18:59

    Lieber Franz,

    habe gerade Deine Thesen und die nachfolgenden Kommentare verschlungen und hatte das Gefühl zu einem großen Teil meine eigenen Gedanken, Ideen und Erkenntnisse zu lesen, allerdings so wunderbar ausgedrückt, wie ich es selbst niemals zustande bekommen hätte. Daher vielen Dank für Deine tolle "Arbeit"...

    Auch mich haben Punkt 12, 13 und 14 am meisten angesprochen.

    Und ins Herz hat mich der Aufruf ein geistiges Zentrum und Dokumentationszentrum zu bauen getroffen.

    Zu meinem 16. Geburtstag habe ich ein indianisches Visionssuche-Ritual nachgeahmt und dadurch meine Vison - meine Berufung erfahren. Meine Lebensaufgabe soll es sein ein Zentrum des "Guten Wissens der Erde" zu gründen bzw. zu organisieren, was hauptsächlich der Jugend, der next Generation dienen soll, sich zu finden und ebenfalls ihre wahre "Berufung" zu entwickeln und zu entfalten. Hauptaufgabe des Zentrums ist der kommunikative Austausch - Wissen wird aus aller Welt und allen Bereichen auf einer direkten menschlichen Ebene zusammengetragen, auf ganz neue Arten und Weisen zugänglich gemacht, veranschaulicht und weitergegeben. So kommt wertvolles Wissen aller Art (kulturell, technologisch, wissenschaftlich, logisch...) zusammen und kann so genutzt werden um den Einklang zwischen Mensch und Erde wieder her zustellen.

    Das ganze funktioniert wie eine Schule, wie wir sie uns als Kinder immer gewünscht haben, voller Lebendigkeit, Spannung, Abenteuer und eben von Mensch zu Mensch, von Natur zu Mensch, mit direktem Kontakt zum Wissen durch tatsächliches Interesse und Neugier... Es ist ein in sich selbstwachsendes Zentrum, dass durch jeden Mitwirkenden ein Stück größer wird... Jeder kann mitwirken... Basis ist Vertrauen und Glaube etwas für die Gemeinschaft und die Erde tun zu wollen und zu können...

    Ich weiß nicht wo dieses erste Zentrum entstehen soll, vielleicht ja wirklich hier in Berlin, wo mein Leben mich auf Umwegen hingeführt hat... Die Stadt fühlt sich jedenfalls von allen deutschen Großstädten für mich am offensten, kreativsten an... hier gibt es eine tolle Stimmung und Energie für ein solches Vorhaben. Und vielleicht kommen hier die Menschen zusammen, die gerne unter der Flagge der Neuen Arbeit (wobei die Flagge gar nicht das wichtigste ist, aber schön wenn sie da ist) ein solches Zentrum Stein für Stein aufbauen möchten...

    Soviel zu meinen Gedanken beim Lesen Deiner Thesen...

    liebe Grüße aus Berlin

    Denise

     
  • Matthias Jung
    Matthias Jung 23.10.2008 15:00

    Hallo, diesen Gedanken von Thomas kann ich mich nur anschließen:

    "Ein Problem der neuen Arbeit entsteht m.E., wenn wir Frithof präskriptiv verstehen (wozu er natürlich beiträgt) statt seine Ideen inspirativ zu nutzen. "

    In diese Richtung gehen auch die Überlegungen von uns bislang wenigen MitstreiterInnen am Niederrhein. Konkret bin ich dabei, Frithjof zu einer Veranstaltung voraussichtlich im Feburar/März in unsere Region zu holen. Dabei versprechen wir uns zum einen natürlich etwas Öffentlichkeitswirksamkeit, zum anderen wollen wir in kleinem Kreis mit Frithjof über mögliche Projektideen sprechen.

     
  • Franz Nahrada
    Franz Nahrada 25.10.2008 12:32

    Zu Denise kann ich nur sagen, dass es natürlich eine ganz tolle Sache wäre ein Zentrum in städtischen Raum aufzubauen, das war auch unser erster Gedanke in Wien. Wir haben damit geliebäugelt ein "House of Tools" zu schaffen, ein Haus der Werkzeuge, das die vielen Möglichkeiten zeigt wie gearbeitet werden kann. So etwas fehlt total, und es wäre ein tolles, aktivierendes "Museumskonzept". Ich wundere mich bis heute dass das noch niemand aufgegriffen hat..... Vielleicht wäre das eine passende Idee für das Tempelhof - Projekt, denn dort ist ja viel Raum für Aktivitäten. Ich habe auch mal mit Freunden im Wiener Rathaus ein Crossover aus virtuellem Flughafen und Ausstellung realisiert, auch diese Ideen könnt ich mir gut für Tempelhof vorstellen. Oh wie die Gedanken sich da gleich in Bewegung setzen ....

    Aber ich persönlich fühle mich noch mehr angesprochen und begeistert von der Idee eines ländlichen Ortes, eines "rural hub", der zeigt, wie wir die immensen Potentiale und Freiräume ausserhalb der grossen Städte reaktivieren und eine größere Freiheit und Autonomie in der Lebensgestaltung erreichen können.

    Letztlich ist mein Ziel, dass städtische "Zentren des Guten Wissens der Erde" mit Dörfern in der ganzen Welt in ständiger Kommunikation stehen. Also an beiden Seiten sollte gearbeitet werden!

     
  • Ralph Schellenberg
    Ralph Schellenberg 25.10.2008 18:15

    Hallo Franz,

    ich stimme völlig mit Dir überein: Der Ideen gibt es viele, und es gibt ja durchaus schon Projekte, die in der einen oder anderen Weise versuchen - bewusst oder unbewusst - im Sinne der Neuen Arbeit Leben, Arbeit und Kultur zu verbinden. Allein, der Neuen Arbeit in gänze ein Projekt zu widmen, fehlt. Meine Frage(n) hierzu geht(en) in verschiedene Richtungen: Kann es solch ein Zentrum, dass mehr oder weniger (fast) alle Aspekte von Frithjofs Visionen in sich trägt überhaupt geben? Dem Gedanken folgend, dass Frithjofs Visionen Anregungen zu einer neuen Art Lebens, Arbeitens u.a. mehr sind, erscheint mir ein solches Unterfangen sehr utopisch. Andererseits glaube ich fest, dass es möglich ist, mit Menschen vor Ort, sowohl im städtischen wie im ländlichen Raum, Zentren im Sinne der Neuen Arbeit, des Guten Wissens, einer Neuen Kultur zu gestalten. Den jeweiligen Schwerpunkt hierzu werden dann die jeweils beteiligten Menschen vor Ort bestimmen. Mein Ansatz hierzu ist die Idee regionaler Treffen; in Berlin der beginnende Stammtisch, in dem eine Perspektive sich entwickeln könnte. Ich persönlich bin sehr daran interessiert.

     
  • Jörg Beger
    Jörg Beger 26.10.2008 11:44
     
  • Jörg Beger
    Jörg Beger 26.10.2008 13:46

    Der Querverweis zu "Neue Arbeit reloaded" der Zukunftswerkstatt Jena:
    http://zw-jena.de/blog/2008/10/neue-arbeit-reloaded/

     
  • Jörg Beger
    Jörg Beger 26.10.2008 15:56

    Lieber Franz,
    members of blog ;-)

    alle von Franz aufgelisteten Punkte berühren mich - einige nur meine Gedanken und mein Denken, manche mein Fühlen und manche sind verbunden mit persönlichen Erlebnissen zum Teil mit oder in Gegenwart von Frithjof Bergmann. Sicher wirst Du Franz mir zustimmen, dass wir beide selbst die hier nicht genauer genannten Punkte, in denen wir übereinstimmen nicht gemeinsam gleichzeitig am selben Ort erlebten. Dennoch gehören diese Punkte zu einer gemeinsamen Wirklichkeit. An dieser Stelle möchte ich nicht Deine Punkte einzeln abarbeiten gleichwohl ich der Ansicht bin, dass das Gewicht Deines Vortrages im Umfang und der Vielschichtigkeit liegt.

    Und damit bin ich an einem für mich grundlegenden Punkt der Diskussion: Welchen Anspruch an Generalisierbarkeit oder Verallgemeinerbarkeit erhebe ich zum jetzigen Zeitpunkt mit meinen Formulierungen und Bedürfnissen zu einem Neu Arbeiten - Neu Wirtschaften in einer Neuen Kultur?
    Angestoßen durch Aktivitäten von Frithjof Bergmann lassen sich unter dem Arbeitstitel "Neue Arbeit, Neue Kultur" Gespräche führen, existenzielle Bedürfnisse klären und möglicherweise Kooperationen, Allianzen und Partnerschaften begründen!?
    Zwangsläufig erscheint es mir allerdings nicht, dass es nach einem Vortrag zu Frithjof Bergmanns "Neue Arbeit, Neue Kultur" zwischen den überwiegend positiv gerührten Zuhörenden zu einer gemeinsamen Aufbruch kommt. Dasselbe gilt meines Erachtens für die Leser seiner Artikel und seiner Bücher.
    Dennoch besteht die Möglichkeit, dass Menschen durch vorgenannte Erlebnisse sich ihrer selbst bewusst werden und sich desshalb in die Lage versetzt fühlen zu einer Veränderung aufzubrechen - selbst wenn erst nur das Bedürfnis nach Veränderung angenommen wird.
    Die bedeutende Frage, über die wir uns miteinander austauschen können - nachdem wir unsere Beobachtungen mittgeteilt haben - ist meines Erachtens, wie wir miteinander umgehen möchten wenn wir in Kontakt stehen. Wer sich ausschließlich auf Erlebnisse mit Frithjof Bergmann beziehen möchte, begiebt sich dabei in eine selbstgewählte Einschränkung! Ich bezweifle, dass dies von Frithjof Bergmann beabsichtigt ist.

    Da ich keine Zusage habe, dass Frithjof Bergmann diesen Blog zur Kenntnis nehmen möchte und es für ihn bedeutsam ist auf diese Weise (mit uns) zu kommunizieren halte ich es einstweilen für nutzlos sich an dieser Stelle über seine möglichen Verhaltensweise auszutauschen.
    Von Interesse im Sinn der Neuen Arbeit, Neuen Kultur ist zu gegebenem Zeitpunkt sicher zu hören/zu lesen was Frithjof im Rahmen eines "Unternehmens Neue Arbeit" als seine (orginäre bzw. wirklich wirkliche) Arbeit bezeichnet. Hierbei mag es sich als hilfreich erweisen triadisch in Erwerbsarbeit, Berufungsarbeit und Eigenarbeit zu differenzieren. Dies ist eine Übung, bei der ich für mich selbst immer wieder auf unerwartete Überraschungen und SelbstEntwicklungen stoße, die ich zur Verständigung meinen Partnern mitteile.

    Für den Umgang miteinander möchte ich für folgende Punkte sensibilisieren und diese kritisch anmerken:
    *Bereitschaft zu autoritärer statt dialogischer Sprech- und Schreibweise,
    *Bereitschaft zu autoritärer statt partnerschaftlicher Organisationsstrukturen z.B. bei Vereinsführung oä.
    *Bereitschaft zur Herrschaftsausübung über die Verwaltung von Kommunikationstechnologien

    Aus diesen meinen Anmerkungen ist sicher offensichtlich geworden, dass ich Frithjof Bergmanns Neue Arbeit, Neue Kultur für unvollendet halte. Meines Wissens teilt Frithjof diese Einschätzung.
    Die gleichsam offene Frage lautet zu welcher Zeit, an welchen Orten und auf welche Weise verständigen sich Menschen über die Weiterentwicklung zu einem Programm oder zu Grundprinzipien "Neue Arbeit, Neue Kultur" (vgl. Thomas Diener) - möglicherweise unter der Preisgabe des visionären Anspruchs und mit der Absicht dass aus einer Vision auch Realität(en) werden. Dem Visionär brächte dies allerdings den "Tod" auch hier weichen Visionen Erlebnisse von Enttäuschung und Illusion.

    Ich möchte anregen, dass neben dem Austausch um die individuelle sowie gesellschaftlichen Wirkung und Funktion von Arbeit, Einkommen, Geld, Ware und Kapital auch der Austausch über Wahrnehmung, Wissen, Vision, Illusion, Erkenntnis und Irrtum gepflegt wird.

    Weiterhin möchte ich anregen, dass wir Formen des Feierns gelungener Aktivitäten im Zusammenhang von Neue Arbeit, Neue Kultur (er)finden mit denen erwünschtes (nützliches, lustvolles?) Lernen aus Fehlern und Scheitern beim Experimentieren mit Neue Arbeit, Neue Kultur kultiviert werden kann.

    Ich selbst hege die Überzeugung, dass 1) eine globale Vision der Menschheit, 2) einen gemeinsame Vision des Sprachraums/der Nation/der Region und 3) eine persönliche Vision in Einklang zu bringen sind. Diesbezüglich erahne ich die Auswirkungen dessen, was bisher als "Neue Arbeit, Neue Kultur" daher gekommen ist.

    Aus Freiburg im Breisgau,
    Jörg

     
  • Denise Dammert
    Denise Dammert 27.10.2008 10:46

    Hallo zusammen,

    ich möchte nur ganz kurz meine Empfindungen beim Lesen der einzelnen Beiträge und auch grundsätzlich zum Thema der Entwicklung der Neuen Arbeit - Neuen Kultur - Neuen Wirtschaft niederschreiben...

    Was mich wundert, ist warum Frithjof und seine Arbeits- und Wirkungsweise so oft erwähnt wird und so direkt in Verbindung mit der Entwicklung der Neuen Arbeit gebracht wird. Für mich fühlt sich das ganze irgendwie anders an. Die Neue Arbeit und diese Entwicklung gabs für mich schon vorher... bevor ich auf Frithjofs Bücher etc gestoßen bin... Der tiefe Wunsch nach genau diesen Veränderungen wie sie bei der Neuen Arbeit beschrieben werden, der steckte schon in mir, .... ich glaube wirklich von Geburt an... natürlich hab ich mich gefreut wie ein kleines Auto als ich auf Frithjofs Bücher und dann auf ihn gestoßen bin und all die Menschen sah die schon unterwegs sind auf dem Pfad der Veränderung... Und während der letzten zwei Jahre, ganz besonders in den letzten Monaten des Überlegens und Suchens nach einem ersten Schritt in die Realität der Neuen Arbeit, nach dem Umsetzten ist mir ganz klar geworden: ES LIEGT GANZ ALLEIN AN MIR SELBST, ich muss wagen, ich muss riskieren, ich muss sagen was ich denke, ich muss probieren, ich muss mich mit den passenden Leuten vernetzten, ICH KANN NEUE ARBEIT - NEUE KULTUR - NEUE WIRTSCHAFT SEIN INDEM ICH DAS WAS IN MIR STECKT NACH AUSSEN BRINGE ohne Angst, kein anderer kann das was wir in uns tragen besser als wir selbst...und dass ist die Neue Arbeit für mich, meine Berufung finden und ausführen, das ist meine "neue" wirkliche wirkliche Arbeit, die ich tun will, und keiner kann die für mich kreieren, nur ich selbst... für mich heißt das jetzt - ganz genau hinzuschauen was in mir steckt, es anzunehmen und einfach dran arbeiten - Stück für Stück - Schritt für Schritt... das ist für mich Neue Arbeit, ein tiefer innerer Heilungsprozess, der in jedem Mensch auf diesem Planeten stattfinden kann, wenn wir es zulassen... mehr brauchen wir gar nicht machen, eigentlich brauchen wir uns nur auf uns selbst konzentrieren und unser Bestes geben...

    Dafür ist Frithjof für mich schon ein Vorbild, wie er seine Vision in die Welt trägt und sich selbst treu zu sein scheint... das Bewegt die Menschen, das bewegt die Welt und ich hoffe dass mir das auch gelingen wird und noch vielen vielen vielen anderen... :-)...

    so genug philosophiert... mach mich wieder an die Arbeit

    wünsche allen eine schöne actionreiche lebendige Woche...

    liebe Grüße aus Berlin

    Denise

     
  • Jörg Beger
    Jörg Beger 27.10.2008 12:21

    Liebe Denise,
    members of blog,

    Du sprichst/schreibst mir aus derm Herzen! :-)

    Das Zentrum des "Guten Wissens der Erde" soll kommen und bekommt meine vollste Unterstützung!
    "Hauptaufgabe des Zentrums ist der kommunikative Austausch - Wissen wird aus aller Welt und allen Bereichen auf einer direkten menschlichen Ebene zusammengetragen, auf ganz neue Arten und Weisen zugänglich gemacht, veranschaulicht und weitergegeben." Möglicherweise werden wir bald feststellen und vetrtrauen, dass dieses von Dir angesprochene Wissen in jedem von uns steckt und prinzipiell mit Vertrauen und Intuition "geschöpft" werden kann.

    Das Wissen der "Moderne" und der industriellen Arbeitsgesellschaft in unserem westlichen Kulturkreis und in unserem staatlichen Bildungssystem (Schule/Hochschule/Universität) generiert auf eine sehr spezielle Weise Informationen und Wissen. Es ist meines Erachtens hilfreich, sich bewußt zu machen, wie unsere abendländische Kultur Wissen "produziert" hat und nach wie vor produziert und welche Ergänzungen zu einem "Weltwissen" in Deinem oben genannten Sinne gehören. Das halte ich für ein sehr aufregendes Unterfangen.


    Ich kann mir vorstellen, dass unser Austausch über "Neue Arbeit, Neue Kultur" dazu geeignet ist, wie Thomas es erwähnte, einige wesentliche Aspekte - ohne Anspruch auf Vollstädigkeit - als Forderungen für gemeinsame (politische) Rahmenbedingungen herauszuschälen, um damit die von Dir und auch Thomas erwähnte persönliche (Entwicklungs)Arbeit zu begünstigen bzw. äussere Widerstände abzubauen bzw. aufzulösen.

    Es könnte beispielsweise dazu kommen, dass zu jedem "Steuer-1€", der zur Wirtschaftsförderung in Erwerbsarbeitswirtschaft geht, gleichzeitig 1 € in Förderung von Berufungsarbeit fließen soll und gleichzeitig 1 € in die Finanzierung von Eigenarbeitsstätten (gleichgewichtete Förderung)

    Es könnte auch dazu kommen, dass ArbeitsAgenturen entstehen, deren Maßnahmenbündel bei der "Fallberatung" auf der Grundlage von "Neue Arbeit, Neue Kultur" gestaltet ist, d.h. gleichberechtigt bezogen auf 1) den Erwerbsarbeitsmarkt (globaler Markt), 2) die persönliche Viosion/Berufung und auch 3) Eigenproduktionszentren.

    Bezüglich der Förderung von Menschen mit Eigenarbeits/produktionszentren (Einrichtung/Vernetzuung) können wir auch politisch aktiv und wirksam werden.
    Diesbezüglich möchte ich noch auf einen Zeit-Artikel von 1999 hinweisen, der diesen Aspekt gut illustriert.
    http://www.zeit.de/1999/13/199913.solidaritaeskris.xml

    Für Berlin könnte es bedeuten ein Netzwerk der bestehenden Selbsthilfe- Miet- und Mitarbeitswerkstätten zu haben und deren Potenzial ins Bewußtsein zu heben.
    Oder wie:
    Neue Kultur der Arbeitsplätze? - Netzwerk Hallenprojekte mit Schwerpunkt in Berlin:
    http://hallenprojekt.de/about


    Jörg

     
  • Franz Nahrada
    Franz Nahrada 27.10.2008 16:08

    Denise, ist schön wie Du das sagst, aber ich glaube das ist eben nur die eine Seite der Medaille. Ich las eben zum dritten Mal das ganz hervorragende Buch "Wartinger sucht das Paradies", eine wunderbare Geschichte eines Menschen aus meiner Generation, die zutiefst berührt waren vom Aufbruch der 68-er und dies gerade weil es schon von einer halben Generation vor ihnen vorgemacht wurde noch viel fundamentaler und selbstverständlicher erlebten als die eigentlichen Protagonisten. Der "Held" ist ein Mensch der eben auch versucht das in die Welt zu bringen, was er in sich als Berufung spürt. Und der dabei spürt dass die Welt darauf überhaupt nicht so antwortet, wie er es erwartet hat. Was ist wenn sich die eigene Berufung nicht ausführen lässt? Wenn dann doch das Leben aus Zufällen und Kompromissen und versäumten Gelegenheiten besteht? Die eine Passage gegen Ende, als er ein Studentencafé aufmacht, die finde ich wirklich sehr stark:

    "gegen die Schinderei des freien Unternehmertums ist die Zeit hinter der Theke in der Bar eine Idylle gewesen. Seit einem halben Jahr hat er nichts im Kopf als sein Galeriecafé und seinen Umsatz...Im Rückblick findet er seine frühere Meinung über Unternehmer lächerlich. Für sie gibt es nichts als den ununterbrochenen Kampf um Kunden, und wenn man in diesem Kapf verliert, verliert man alles. der Markt ist das unbarmherzigste aller Regulative. Den Henker kann man wenigstens anspucken, bevor er einem den Kopf abschlägt. Zu den Gästen hingegen muss er freundlich sein, auch wenn sie zu selten kommen und insgesamt zu wenige sind. Die Rechnungen der Lieferanten sind zu bezahlen, das Personal soll er loben, den Hausbesitzer beruhigen, obwohl alle gemeinsam daran arbeiten ihn in den Untergang zu treiben".

    Das ist jetzt eine emotionelle Reaktion, weil ich spüre, dass Du mit einer starken jugendlichen Perspektive an die Dinge herangehst, und weil ich in jedem jungen Menschen ein Stück von mir selbst sehe, von dem ich nicht will, dass es enttäuscht und verbittert wird. Auch ich habe so sehr geglaubt dass die Welt auf mich wartet, aber es war eine verdammt harte Zeit einzusehen dass das keineswegs der Fall ist....

    Dennoch glaube ich dass wir in eine Gesellschaft der neuen Arbeit hinüberwachsen, eine Gesellschaft in der wirklich das freie Individuum Ausgangspunkt aller Dinge ist und die dieses Kunststück zuwege bringt. Der Weg dorthin ist allerdings lang und steinig...

     
  • Denise Dammert
    Denise Dammert 27.10.2008 18:25

    Hallo Jörg,
    Hallo Franz,

    Vielen Dank für Eure Worte, die mich teilweise übers ganze Gesicht haben strahlen lassen...

    und ich werd mir morgen nochmal mehr Zeit nehmen die links genau zu studieren, ist erstmal alles super interessant für mich...

    Finde es echt toll das dieses Webseite so gut funktioniert und man sich hier jetzt endlich direkt austauschen kann... das hilft echt enorm weiter...

    Freu mich einfach... auf alles was da vor uns liegt... und mir ist definitiv klar, dass das nicht einfach wird und steinig... dafür bin ich in den letzten Jahren schon durch einige tiefe Täler gewandert und ein paar Abgründe runtergerutscht, die mich auf unsanfte Weise in die Realität zurück geholt haben... momentan hab ich aber Kraft... also gehts vorwärts...

     
  • Jörg Beger
    Jörg Beger 28.10.2008 16:20

    Querverweis auf das Weblogbuch von frithjof Bergmann:
    http://fbergmann.blogspot.com/

     
  • Franz Nahrada
    Franz Nahrada 28.10.2008 19:38

    Hi, dieses Weblog habe ich letztes Jahr mit Frithjof angelegt, als wir uns bei Florence im Wienerwald trafen. Leider hat niemand mitgeholfen es weiterzuführen.

     
  • Jörg Beger
    Jörg Beger 29.10.2008 13:01

    Ich möchte auf den Beitrag von Matthias Jung an anderer Stelle hinweisen. Seinen Predigtbeitrag erachte ich zum Thema "erhoffte, erwünschte und ungewollte bzw. kritisierte Wirkung individuellen Verhaltens von Frithjof Bergmann" andieser Stelle sehr passend und möchte Matthias gleichzeitig dafür danken.
    Hinzufügen möchte ich, dass vermutlich jedem von uns, der sich in ähnlicher weise öffentlich für Neue Arbeit, Neue Kultur "exponiert" eine entsprechende Auseinandersetzung bevorsteht. In diesem Sinne verstehe ich auch den Austausch. Wenn der Austausch stimmig gelingt, werden mehr Personen als aktive "Associates" einer gemeinsamen Vision auftreten können.:
    Frithjof Bergmann - ein moderner Prophet im biblischen Sinn?
    http://www.matthias-jung.de/frithjof_bergmann.htm

     
  • Matthias Jung
    Matthias Jung 29.10.2008 21:41

    Wobei ich anmerken möchte, dass mich der Beitrag von Franz Nahrada bei der Vorbereitung beeinflußt hat, hatte ihn an dem Tag gelesen, als ich den Text schreiben mußte/wollte. aber das ist ja die Chance eines Netzwerks und ich hoffe, dass das hier noch gut so weiter geht, ein Anfang ist gemacht.

     
  • Franz Nahrada
    Franz Nahrada 29.10.2008 22:24

    Danke, ich finde das übrigens sehr spannend!
    "Visionen malen ein Bild von Zukunft, aber unterscheiden sich von der Utopie darin, dass sie auf Verwirklichung drängen - diese aber immer an die konkreten kleinen Schritte gebunden ist. Eine Vision kann man nicht einfach umsetzen, sie ist ein Leitbild, kein Programm."
    mit fällt da der Verweis auf die Tage der Utopie ein; ich hab auch das Thema "Utopie" nicht so strikt von "Vision" geschieden, und das ist OK wenn wir wissen was gemeint ist:
    * http://www.tagederutopie.org/
    * http://www.oekonux.de/texte/globdorf.html

     
  • Jörg Beger
    Jörg Beger 05.01.2010 15:07

    zu 11
    "...Die ernstzunehmendsten Erfolge erwachsen dort, wo Design und Denkarbeit global vergesellschaftet werden. Sträflicher Optimismus wäre es also, sich beim Entwurf "neuer Arbeit" auf die isolierte Eigenarbeit zu verlassen. Dass die Neue Arbeit aber gerade keine Theorie der Zusammen - Arbeit und der gesellschaftlichen Organisation von Eigenarbeit vorlegt, sondern die Dualität von "Betrieben" und "Unternehmen" auf der einen Seite und monadischen Individuen auf der anderen Seite fortschleppt, macht ihren größten Mangel aus. Komplexe Netzstrukturen und Kommunikationsflüsse die gerade Verlässlichkeit und Autonomie fördern können, werden nicht thematisiert."

    ...möchte ich auf die mögliche Dokumentation des Interesses an gemeinschaftlicher Eigenarbeit hinweisen, und erlösen - meine ich - müssen wir uns schon selbst. Für Netzwerkmoderatoren ist bei der Eigenarbeit ein Tätigkeitsfeld.
    http://www.dorfwiki.org/wiki.cgi
    Dazu gibt es sicherlich noch Alternativen, dann bitte ich darum, auch diese bekannt zu geben.

    Der Packpapierverlag beabsichtigt eine längst fällige aktualisierte Ausgabe der betriebswirtschaftlichen Untersuchung und Bewertung der Selbstversorgung, deren Wirtschaftlichkeit, Entwicklungschancen und rechtliche Rahmenbedingungen von Götz Papke zu veröffentlichen.
    Götz Papke: Dauerhafte Arbeit. Packpapier: Osnabrück, 1. Auflage 1998.
    Götz Papke: Dauerhafte Arbeit. Packpaier: Osnabrück, 2. überarbeitetet Auflage, 20??
    Interessenten melden sich bitte beim Verlag.
    http://www.packpapier-verlag.de/Bestellform.htm
    http://www.packpapier-verlag.de/Buchprogramm/Kastanienhof.html
    http://www.infopartisan.net/archive/trend/trend98/globales/t220598.html

    Einen bedenkenswerten und möglicherweise besonders motivierender Hinweis auf die Notwendigkeit der NeuenKultur der Zusammen-Arbeit gibt auch Erik Händeler (2004) unter Bezugnahme auf spekulative Innovations- und Konjunkturvorstellungen in den Wirtschaftswissenschaften:
    "Zwar warten jetzt die meisten immer noch auf materielle Erfindungen wie früher die Dampfmaschine, um die Wirtschaft anzutreiben. Sie hoffen darauf, das bekannte Erschöpfte durch etwas ersetzen zu können, in dem auch irgendwie das Wort "-Technologie" vorkommt. Doch es wird in Zukunft keine Maschine mehr geben, die unsere Gedanken produktiver macht. Was an Hardware zu dem nächsten Aufschwung beitragen wird - Gentechnik, Nanotechnologie in der Medizintechnik, andere materielle Gesundheitsinvestitionen - sind nur das dienende Drumherum um die größte Knappheit: intelligente, unstrukturierte, kooperative Informationsarbeit und ihre produktive Lebensarbeitszeit. Die Konjunktur wird erst wieder in Schwung kommen, wenn sich eine neue Kultur der Zusammenarbeit durchgesetzt hat. Zugegeben: Das kann lange dauern, so wie früher der flächendeckende Bau der Eisenbahn. Aber wir sind der Krise nicht ausgeliefert. Wir haben die Wahl."
    mehr: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/17/17642/1.html

     

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